MEERI-ABC

Inhalt:

.) Physiologische Daten

.) Gerüchte und Wahrheiten

.) Zoohandlung vs. Züchter

.) Allgemeines

.) Welches Geschlecht

.) Haltung

.) Ernährung

.) Trächtigkeit und Geburt

.) Risiken einer Trächtigkeit

.) Geschlechtsbestimmung

.) Pflege

.) TÜV




Physiologische Daten:

Lat. Name: Cavia porcellus

Herkunft: Südamerika

Lebensdauer: durschnittlich 5-8 Jahre, Extremfälle bis zu 15 Jahre

Körperlänge: 25-35cm

Gewicht: Weibchen 800-1200g

Männchen 900-1500g

Wachstumsabschluss: mit ca. 12 Monaten

Zuchtreife: Weibchen mit ca. 6 Monaten/750g

                   Böcke mit ca. 4-6 Monaten


Gerüchte und Wahrheiten:

  • 1 Meerschweinchen und 1 Kaninchen verstehen sich super: FALSCH! Die Tiere haben unterschiedliche Bedürfnisse und verstehen einander nicht. Während Kaninchen gerne kuscheln, meiden Meerschweinchen den engen Körperkontakt. In Österreich ist es zudem per Gesetz verboten, nur ein Tier jeder Gattung zusammen zu halten. Mehrere Meeris mit mehreren Kaninchen ist hingegen kein Problem.
  • Ein Käfig der Maße 100x50cm reicht völlig für 2 Tiere: FALSCH! Meerschweinchen sind keine Stubenhocker! Sie wollen RENNEN und TOBEN! So ein Käfig reicht nur, wenn ein zusätzlicher Auslauf im Zimmer ermöglicht wird! Eine richtig schöne Rennstrecke muss mind. 2m lang sein! Dann erst fühlt sich ihr Schwein so richtig "sauwohl".
  • Meerschweinchen sind ideale Kindertiere: FALSCH! Meerschweinchen mögen es nicht, herumgetragen zu werden oder gekuschelt zu werden, sie sind sensible Tiere! Kinder sollten mindestens 6-7 Jahre alt sein, und den richtigen Umgang mit den Tieren verstehen können! Meerschweinchen sind kein Zeitvertreib für Kinder. Bitte beachten Sie das VOR der Anschaffung! Es sind Beobachtungstiere, die, wenn man sich intensiv mit ihnen beschäftigt, durchaus so zahm werden, dass sie sich Futter aus der Hand abholen kommen.
  • Meerschweinchen Mädels müssen mind. 1x Junge bekommen: FALSCH! Das ist ein dummes Gerücht und hat keinerlei Nutzen für das Tier! Im Gegenteil, die Gefahren bei laienhafter bewusster Befruchtung sind vielfältig und endet nicht selten mit dem Tod der Jungtiere und/oder dem Muttertier! (siehe unten Trächtigkeit)
  • Meerschweinchen Böcke verstehen sich nicht: FALSCH! Böcke können durchaus eine harmonische Beziehung führen, der wichtigste Faktor hierfür ist: viel Platz! Erfahrungsgemäß sind übrigens geradzahlige Gruppen harmonischer als zB 3-er Gruppen.
  • Der Bock muss nicht kastriert werden: FALSCH! Eine Paarhaltung mit unkastriertem Bock ist nicht artgerecht! Das ist Tierquälerei! Das Weibchen wird dauerschwanger und stirbt irgendwann durch völlige Überbelastung, der ewigen Aufzucht der Babys, etc. Wollen Sie ihrem Tier das wirklich antun??? Der Vater wird bei nicht zeitgerechter Trennung auch die Töchter decken! So sorgen Sie für noch mehr ungewollten Nachwuchs, der auch noch mit Inzucht schwer belastet ist.
  • Meerschweinchen werden erst mit 3 Monaten geschlechtsreif: FALSCH! Die Tiere sind sehr vermehrungsfreudig, die Böcke werden bereits ab 250g geschlechtsreif und machen dann auch nicht vor Mutter und/oder Schwestern Halt! An eine rechtzeitige Trennung ist zu denken!
  • Heu kann ich durch Gras ersetzen: FALSCH! Heu ist das Grundnahrungsmittel und MUSS immer zur Verfügung stehen, dient dem Zahnabrieb und der Verdauung, da die Tiere einen Stopfdarm haben!
  • Trockenfutter ist ein MUSS: FALSCH! Gesunde Tiere brauchen kein Trockenfutter, und ganz besonders nicht das im Tierfachhandel angebotene Fertigfutter! Viel zu viel Getreide ist enthalten, was der Verdauung schadet und die Tiere zu dick werden lässt. Da das TroFu auch schnell satt macht, wird zu wenig Heu gefressen -> wieder schädlich für die Verdauung und die Zähne werden zu lang.

Zoohandlung vs. Züchter:

Vorteile Züchter:

  • genaue und richtige Beratung in allen Fragen rund ums Meerschweinchen
  • Oft gibt es gebrauchtes Zubehör günstig zu kaufen
  • Sie sehen die Elterntiere und die Haltung des Züchters
  • Sie erhalten Rassetiere die aus einer gesunden Linie kommen
  • Die Weibchen sind garantiert nicht trächtig
  • Die Tiere werden erst abgegeben, wenn sie das entsprechende Gewicht haben
  • Die Tiere werden augenscheinlich gesund abgegeben
  • Der Züchter steht Ihnen auch nach dem Kauf immer bei Fragen zur Verfügung

Nachteile Züchter:

  • Evtl. etwas längere Wartezeit, wenn das passende Geschlecht/Farbe/Rasse nicht zur Abgabe steht

Vorteile Zoohandlung:

  • Direktkauf ist möglich
  • neues Zubehör kann erworben werden

Nachteile Zoohandlung:

  • Die Berater erkennen die Geschlechtsunterschiede nicht, man erhält zb. ein Pärchen statt 2 Weibchen
  • Da in den meisten Geschäften keine Geschlechtertrennung erfolgt, sind bereits sehr junge Tiere trächtig!
  • Die Tiere sind noch viel zu klein, um von der Mutter wegzukommen, sie haben meist Parasiten und Pilz
  • Sie kennen nur Trockenfutter und Heu und haben Probleme bei der Umstellung auf artgerechte Nahrung
  • Die Tiere sind wilde Mixe unbekannter Herkunft
  • Die meisten Tiere stammen von Ostblockvermehrern, wo kein Augenmerk auf gesunde, vitale Tiere gelegt wird, sondern auf Masse vermehrt wird!
  • Die im Zoohandel angebotenen Käfige und Nahrungsmittel sind für die Tiere NICHT geeignet, es geht nur um den Profit des Zoohandels
  • bitte beachten Sie, dass unter "Züchter" hier ein eingetragener Züchter gemeint ist, der Ahnung von Genetik hat und sein gesamter Zuchtbestand aus Tieren besteht, die einen Abstammungsnachweis haben. Viele Vermehrer bezeichnen sich leider als "Hobbyzüchter", dieser Begriff ist nicht geschützt! Achten Sie auf saubere Haltung, Geschlechtertrennung und fragen Sie den Züchter ruhig aus!

Allgemeines:

Seit dem Jahre 2005 ist die Einzelhaltung von Meerschweinchen und Kaninchen in Österreich gesetzlich verboten. Meerschweinchen und Kaninchen haben unterschiedliche Bedürfnisse, so z.B. gibt es für Meerschweinchen fast nichts schlimmeres als engen Körperkontakt. Kaninchen hingegen kuscheln gerne mit einem Partnertier. Dem Meerschweinchen bleibt bei einer 1-1 Haltung nichts anderes übrig, als das "Kuscheln" hinzunehmen. Es liegt dann völlig apathisch neben dem Kaninchen. Das Verhalten wird von uns Menschen dann häufig fehlinterpretiert "sieh doch nur, wie unser Meerli das Kuscheln mit unserem Bunny genießt".

Wer also seinem Tier eine artgerechte Haltung bieten möchte, hält von jeder Tierart mindestens 2 Individuen. Die Tiere werden es Ihnen danken!

Welches Geschlecht?

Wichtig: Bei einer Haltung von Böckchen und Weibchen ist darauf zu achten, den Bock rechtzeitig kastrieren zu lassen. Die Tiere werden mit 3-5 Wochen bereits geschlechtsreif! So eine frühe Trächtigkeit ist lebensgefährlich für die Weibchen und führt nicht selten zum Tod von Muttertier und Babys.

Eine reine Weibchen-Haltung kann sehr harmonisch sein, jedoch werden die Mädels alle 2-3 Wochen brünstig, da kann es durchaus vorkommen, dass Streitereien entstehen. Außerdem haben die letzten Jahre gezeigt, dass ein Kastrat die Bildung von Eierstockzysten beim Weibchen verhindern kann, da er durch regelmäßiges Besteigen den Hormonhaushalt des Weibchens im Gleichgewicht hält. Ein Kastrat kann also eine große Bereicherung sein.

Eine reine Böckchenhaltung kann sehr gut funktionieren wenn man 2 Regeln befolgt:

1.) VIEL PLATZ! 1m² pro Bock ist okay, es gilt aber: je mehr Platz zur Verfügung steht, desto besser verstehen sich die Böcke.

2.) KEIN WEIBCHENKONTAKT! Riechen die Böcke (brünstige) Weibchen, kann es zu Kämpfen kommen, die im schlimmsten Fall auch tödlich enden können. Noch schlimmer ist es, wenn sich ein Weibchen im Käfig/Gehege befindet.

Als beste Haltung von zwei Böckchen sehen wir die Vergesellschaftung eines älteren Bockes mit einem Babyböckchen. Hier kommt es nicht zu einem Kampf um die Rangordnung, da sich das Kleine automatisch unterordnet. Auch eine Beziehung von Wurfgeschwistern ist grundsätzlich immer zu empfehlen. Eine Kastration beider Tiere verhindert, dass die Tiere in der sogenannten "Rappelphase" (Pubertät, ca. ab dem 5. Lebensmonat) um den Chefposten kämpfen, es ist ihnen dann schlichtweg egal, sie sind ruhiger.

Kastration: Eine Kastration wird von erfahrenen Tierärzten bereits ab 220g durchgeführt! Das nennt man dann eine Frühkastration. Der Vorteil: der kleine Bock kann sofort wieder zu Mutter und Geschwistern zurück, da der Eingriff vor der Geschlechtsreife erfolgt, die Hoden liegen zu diesem Zeitpunkt noch im Bauchraum und nicht im Hodensack. Leider führen diese OP nicht alle Tierärzte durch, da es eine ziemliche "Fitzelei" ist. Für die Tiere jedoch ist es das Beste, die jungen Kleinen vertragen die Narkose erstaunlich gut, müssen nicht frühzeitig vom Muttertier getrennt werden und lernen das beste Sozialverhalten in der Gruppe.

Sobald die Hoden aus dem Bauchraum abgestiegen sind, handelt es sich um eine normale Kastration, das heißt: Der Bock muss nach der OP 6 Wochen von Weibchen getrennt gehalten werden, da er solange noch NACHDECKEN kann! So lange dauert es, bis keine Spermien mehr vorhanden sind, die das Weibchen doch noch befruchten könnten.

Was man NICHT versuchen sollte:

Zwei erwachsene, womöglich fast gleich altrige Böcke vergesellschaften, das geht nur in den seltensten Fällen gut! Sollte von einer 2er Bock-WG ein Männchen gestorben sein, sollte man den Gesundheitszustand des anderen beim Tierarzt checken lassen und wenn möglich kastrieren lassen. Dann kann man nach 6 Wochen ein gleich altriges Weibchen dazusetzen. Sollte der Bock schon im jungen Alter kastriert worden sein, haben Sie den Vorteil, dass Sie jederzeit ein weiteres Tier egal welchen Geschlechts dazusetzen können.

Käfig oder Eigenbau?

Laut Tierschutzgesetz dürfen 2 Meerschweinchen nur in einem Käfig der MINDESTGRÖßE 100cm x 50cm untergebracht werden. Es ist ein MINDEST-Maß....je größer die Lauffläche, desto wohler fühlen sich die Meerlis! Es gibt mittlerweile schon soo viele verschiedene Arten und Größen an Käfigen. Noch schöner, und meistens um viel weniger Geld, sind Eigenbauten. In Mode sind gerade die Steckregal-Elemente der Marke Songmics. Damit kann man je nach Platzangebot und Grundriss das Gehege so "stecken" wie es am besten passt. Darin Teichfolie auslegen oder PVC legen und schon kann man einstreuen.

Zusätzlich kann man die Lauffläche mit einer Etage vergrößern. Diese gibt es in der Zoohandlung zum Einhängen in den Käfig, mit Rampe. Rampen klettern lernen Meerlis sehr schnell! Wichtig dabei ist, dass der Winkel nicht zu steil ist, und dass die Rampe Rillen oder Aufsätze hat, wo sich die Meeris anhalten können.

Man kann seiner Phantasie freien Lauf lassen, oder bei einem Tischler einen tollen Eigenbau bestellen. Auch verschiedene Firmen bieten inzwischen solch einen Service an, siehe: https://www.kleintiervilla.de/

Hier ein paar Beispiele von einem Eigenbau:



Innenausstattung:

Eine Innenaustattung ist natürlich unerlässlich, damit sich ihre Tiere wohl fühlen! Häuser, Weidenbrücken, Etagen, Rampen, Kuschelrollen, Hängematten, es gibt so viel Zubehör! Jedoch sollte man den Käfig nicht überfüllen, da sonst für die Meerlis kein Platz mehr zum Laufen da ist!!

Wichtig ist, dass für jedes Meerschweinchen mind. 1 Rückzugsort gegeben ist. Sollte es mal Zoff geben, kann sich so jeder in seine Ecke zurückziehen und schmollen *g* Es müssen keine Häuser sein, es reichen auch ein Haus und eine Weidenbrücke, etc. Die Meerlis machen sich dann untereinander aus, was wem gehört ;)

Die Häuschen sollten NICHT aus Plastik sein!! In ihnen staut sich die Luft, es ist feucht und Bakterien vermehren sich sehr schnell!! Besonders gefährlich ist es, wenn es kalt wird und die Meerlis in solch einem Plastik Haus liegen....feucht und kalt vertragen Meerlis nicht, sie werden krank! Also bitte nur Häuser aus Holz kaufen oder selbst eines zusammen basteln! Außerdem ist darauf zu achten, dass keine Fenster vorhanden sind. Sie könnten darin stecken bleiben!! Notfalls Fenster vergrößern, sodass 2 Ein- und Ausgänge entstehen!

Auch Kuschelröhren und Hängematten werden von den Meerlis geliebt! Darin können sie stundenlang dösen! Aber Achtung: Kuschelrollen ersetzen keinen Meeri-Partner!!!!!!

Ernährung:



Viele Leute ernähren ihre Meerschweinchen falsch, da sie nicht wissen, was ihren Kleinen gut tut. In Tierhandlungen steht man vor einem Riesenregal mit diversen "Leckerlis" wie z.B. Joghurtdrops, verschiedenste Kraftfutter-Mischungen, etc.

All dies ist nicht notwendig, damit sich ihr Meerschweinchen wohl fühlt! Im Gegenteil, in solchen Leckerlis aus den Zoohandlungen ist viel zu viel Zucker enthalten!

Auch die vielseits gerühmten "LEBENSWICHTIGEN" Salzlecksteine schaden Ihren Tieren nur! An diesen kann z.b. aus Langeweile zu oft geleckt werden, es kommt zu einer richtigen Sucht und die Folgen sind: Nierenschäden!

Auch Kraftfutter benötigt ein Schweinchen nicht, um fit und gesund zu bleiben! Wenn man es dennoch füttern möchte, bitte nicht mehr als einen Esslöffel pro Tag und Tier!! Sonst macht es zu dick! Außerdem ist darauf zu achten, dass es möglichst kein Getreide enthält. Lieber hin und wieder ein paar Erbsenflocken geben, oder getrocknete Maisblätter.

Die Hauptnahrung neben Heu: frisches Obst und Gemüse. Hier eine kleine Auflistung von dem Futter, welches sie fressen dürfen:

Äpfel

Karotten

Gurken

Broccoli

Melone (am Liebsten Wassermelone)

Paprika (enthält viel Vitamin C!)

Tomaten

Fenchel (viel Vit. C, aber Achtung, macht dick)

Erdbeeren (als Leckerli, auch gerne das Grün)

Zucchini

Sellerie

Radieschen und deren Blätter (nur kleine Mengen)

Kohl (kann blähen, daher gut anfüttern, enthält viel Vit. C!)

Chinakohl

Endiviensalat

Eisbergsalat

Häuptelsalat (nicht viel, da hoher Nitratgehalt)

Petersilie

Basilikum

alle Arten von Küchenkräutern (kein Schnittlauch oder Lauch generell)

Löwenzahn

frisches Gras (am besten aus dem eigenen Garten)

Aubergine

rote Rübe

Karfiol (Blumenkohl)

Kürbis (NUR Speisekürbisse!)

Mais (ganze Pflanze, Achtung, macht dick)

eine noch umfangreichere Futterliste finden Sie auf: https://www.diebrain.de/

Trächtigkeit und Geburt:

Alle 2-3 Wochen wird das Weibchen für ein paar Stunden brünstig, also aufnahmebereit. Der Deckakt der Meerschweinchen dauert nur ein paar Sekunden, dafür erfolgt er mehrere Male hintereinander. Wenn das Weibchen zu diesem Zeitpunkt brünstig ist, kann man davon ausgehen, dass es erfolgreich gedeckt wurde.

Die Tragzeit der Meerschweinchen dauert 65-72 Tage, meistens sind es 68 Tage. Nach dem 72. Tag kommen nur noch Totgeburten zur Welt.

ACHTUNG: Vor der Geburt muss der Bock vom Weibchen getrennt werden, da das Weibchen sofort nach der Geburt wieder aufnahmebereit ist und eine erneute Trächtigkeit gesundheitsschädigend und stressig für das Tier ist.

Genauere Informationen finden Sie auf der Seite "Nur Einmal Babys".

Unsere trächtige Cassiopeia



Die Geburt erfolgt meistens in den frühen Morgenstunden. Die Wehen der Meerschweinchen sind kurz und heftig, die gesamte Geburt sollte nicht mehr als 1 Stunde dauern! Die Babys kommen mit dem Kopf voran jedes in seiner Eihaut aus dem Geburtskanal. Das Muttertier bückt sich und zieht das Baby unter sich hervor, beißt die Eihaut auf und leckt das Baby trocken. Es kann passieren, dass die Babys zu schnell hintereinander kommen und deshalb die Babys nicht richtig ausgepackt werden. Nicht selten erstickt dann eines in seiner Eihaut.

Sollten die Babys stecken bleiben und die Mutter kann sie nicht alleine gebären, sollte SOFORT ein Tierarzt aufgesucht werden, ansonsten sterben Mutter und Babys! Man muss immer mit einem Notkaiserschnitt rechnen, welcher nicht billig ist. Je nach Tierarzt kostet dieser 150-300 Euro. Das Sterberisiko der Mutter liegt jedoch bei 80%.

Die Jungen (meist sind es 2-5 Junge, selten mehr) kommen voll entwickelt zur Welt. Ihre Milchzähne haben sie bereits im Mutterleib verloren. Wenige Stunden nach der Geburt knabbern sie schon an Heu und Futter.

Ihr Geburtsgewicht beträgt (je nach Wurfgröße) 60g - 120g. Wir hatten auch schonmal ein Schwergewicht von 138g.

Die Kleinen können (und sollen) sofort angefasst werden. Man sollte die ersten Wochen regelmäßig das Gewicht beobachten! In den ersten 3 Tagen kann es zu einer Gewichtsabnahme von bis zu 10g kommen, danach sollten die Kleinen kontinuierlich zunehmen.

Yemma beim Päppeln - sie kam mit nur 38g zur Welt!



Die Jungen werden ca. 3-4 Wochen von der Mutter gesäugt. Bei sehr großen Würfen oder sehr geringen Gewichten muss man öfters zufüttern. (vor allem bei Jungen mit weniger als 60g Geburtsgewicht) Dies geschieht mit Katzenaufzuchtmilch, die man mit warmen Wasser anrührt und mit einer kleinen Spritze eingibt. Anfangs muss alle 2 Stunden zugefüttert werden, auch nachts.

Die Böckchen sollte man von der Mutter trennen sobald sie 250g wiegen und/oder 4 Wochen alt sind. Geübte Züchter kontrollieren dann täglich den Hodenstand der Böckchen, um eine rechtzeitige Trennung zu gewährleisten. Achtung: Einzelkinder sind in der Regel schwerer bei der Geburt und erreichen dadurch schneller die 250g-Marke. Bitte die Kleinen dennoch nicht zu früh von der Mutter trennen, sie benötigen noch Muttermilch! Bei Unsicherheit zu einem erfahrenen Züchter gehen, oder erfahrenen Tierarzt, der den Hodenstand kontrolliert oder am besten gleich eine Frühkastration anbietet.

ACHTUNG: Meerschweinchen werden bereits im Alter von 3-5 Wochen geschechtsreif!!!! Daher ist es wichtig, die Geschlechter der Babys so früh als möglich zu kennen. Laien gehen am Besten zu einem kleintier-erfahrenen Tierarzt oder einem Züchter in Ihrer Umgebung.

Zwischen den Würfen sollte den Weibchen eine Pause von 4-8 Monaten gegönnt werden, damit sie sich von der Aufzucht der Babys erholen können. Ein Weibchen sollte maximal 3-4 Würfe bekommen und nicht als Gebärmaschine missbraucht werden! Sobald ein Weibchen Probleme bei der Geburt oder Aufzucht hat, sollte es aus der Zucht ausscheiden.

Risiken einer Trächtigkeit:

Nähere Informationen auf der Seite "Nur Einmal Babys"


Geschlechtsbestimmung:

Es ist falsch, wenn behauptet wird, man könne das Geschlecht erst nach einigen Wochen feststellen. Man kann das Geschlecht gleich nach der Geburt bestimmen!

Das geht ganz einfach:

Männchen: Beim Männchen sieht die Intimregion aus wie ein i. Wenn man außerdem leicht auf den Bauch drückt, sollte der Penis hervortreten. Außerdem ist der Abstand zwischen Penis und After viel größer als es dieser beim Weibchen ist.

Weibchen: Hier sieht die Intimregion aus wie ein y. Bei leichtem Druck auf den Bauch verändert sich dies auch nicht. Der Abstand zwischen Harnröhre und After ist gering.

Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an einen erfahrenen Züchter oder Notstationen/Tierheime. Tierärzte sind nur eingeschränkt eine gute Wahl, da sich viele mit Meerschweinchen nicht auskennen. Bitte gehen Sie nicht in eine Zoohandlung, die "Fachkräfte" dort können Ihnen mit 99%iger Sicherheit nicht weiterhelfen!

Hier seht ihr noch Fotos, auf dem der Unterschied gut zu sehen ist:

ausgewachsenes Männchen



ausgewachsenes Weibchen


Pflege:

Die Krallen der Meerschweinchen sollten regelmäßig kontrolliert und je nach Wachstum ca. alle 3 Monate geschnitten werden. Bei hellen Krallen geht dies ganz einfach, man muss nur darauf achten, nicht die Blutgefäße zu verletzen, da die Schweinchen sonst sehr stark zu bluten beginnen. Ideal ist es, 2mm vor den Blutgefäßen zu schneiden. Bei dunklen Krallen geht dies schwerer. Am besten, man lässt diese beim Tierarzt oder Züchter schneiden. Auch eine Taschenlampe kann sehr hilfreich sein, die Enden der Blutgefäße zu erkennen.

Da die Zähne der Meerschweinchen ständig nachwachsen, brauchen sie regelmäßig etwas zu knabbern. Am besten geeignet sind ungespritzte Obstzweige.

Langhaarige Tiere müssen regelmäßig gebürstet werden, da ihr Fell sonst verfilzt und sich Knoten bilden können, im Sommer kann ein Kurzhaarschnitt für sie sehr positiv sein.

Es sollte darauf geachtet werden, dass das Tier immer auf frischer Einstreu läuft. Ein nasser Untergrund z.B. führt bei den Tieren schnell zu schmerzhaften Entzündungen am Fußballen und der Ammoniak-Geruch führt nicht selten zu Atemwegserkrankungen.

TÜV:

Einmal wöchentlich sollte man den sogenannten "Meeri-TÜV" machen. Dafür wird das Tier aus dem Gehege genommen und folgendes untersucht:

  • Müssen die Krallen geschnitten werden?
  • Sind die Augen klar, tränen sie, gibt es sichtbare Verletzungen?
  • Sind die Ohren sauber?
  • Streichen Sie mit einem Finger durch das Fell, gegen die Haarwuchsrichtung. Sind gelbe/weisse oder schwarze bewegliche Punkte sichtbar? Dann hat Ihr Tier Parasitenbefall (gelb/weiß = Haarlinge, schwarz = Milben)
  • Hat das Tier Bissverletzungen?
  • Hat das Tier kahle Stellen im Fell? Dann könnte es sich um Pilzbefall oder Milbenbefall handeln!
  • Setzen Sie das Tier in eine geeignete Schüssel und auf die Küchenwaage. Hat das Tier mehr als 50g abgenommen? Dann ist dies ein Warnzeichen und das Gewicht muss beobachtet werden. Gewichtsschwankungen von 30-50g +/- pro Woche sind in Ordnung.
  • Kontrollieren Sie vorsichtig das Maul des Tieres. Sind die Zähne in Ordnung?
  • Speziell bei älteren Böckchen gehört die Kontrolle der Perinealtasche unbedingt zum TÜV dazu. Es handelt sich um eine Hauttasche zwischen Penis und After. Normalerweise reinigen sich die Böcke selbst, jedoch wird dies mit zunehmendem Alter schwieriger und oftmals ist dann die Hilfe des Menschen erforderlich. Ist die Tasche gefüllt, nimmt man ein Wattestäbchen, taucht es in Olivenöl oder Sonnenblumenöl und räumt die Tasche vorsichtig (!) aus. Vorsicht, es stinkt sehr! Am besten zu zweit reinigen, einer hält das Tier, der andere räumt die Tasche aus.