EINMAL BABYS

Hier wollen wir Ihnen Informationen darüber geben, warum eine Trächtigkeit eines Meeri-Weibchens nicht so einfach ist, wie so viele Leute es sich vorstellen. Es soll zum Nachdenken anregen und darf gerne verbreitet werden.
Unterscheiden wir zunächst gewollten Nachwuchs und die häufigen "ups-mein Weibchen ist schwanger aus der Zoohandlung gekommen"-Situationen:

Gewollter Nachwuchs:

Es gibt kaum Menschen, die Tierbabys nicht süß und niedlich finden. Und sicher kennt auch so manch ein Elternteil die Bitte der Kinder, die Tiere sollten doch bitte bitte einmal Babys bekommen dürfen. Viele Eltern lassen sich dann dazu hinreißen, den Kindern diesen Wunsch zu erfüllen. Gedanken wie "sind ja nur Meerschweinchen" oder "sind ja nur Nagetiere, die vermehren sich eh so rasant, das ist ja easy" sind leider falsch. Warum? Was kann passieren? Auf was muss ich achten? Was kann denn schon großartig schief gehen?

  •  das Weibchen hat nicht das richtige Alter:

Weibchen werden mit ca. 4-7 Wochen geschlechtsreif, was aber noch lange nicht heißt, dass sie bereits zu diesem Zeitpunkt gedeckt werden sollen. Die Tiere sind in diesem Alter selbst noch Babys, der Körper ist am Wachsen. Sie würden ja auch niemals ihre 7-jährige Tochter schwängern lassen, oder? Genau so eine Kinder-Schwangerschaft wäre das aber für Ihr Weibchen.
Ist ihr Weibchen bereits 1 Jahr alt oder älter? Auch dann ist eine Trächtigkeit riskant. Das Becken des Tieres bzw. die Bänder sind nicht mehr elastisch genug, um sich bei einer Geburt weit genug dehnen zu können, damit das Baby den Geburtskanal passieren kann. Was passiert? Der Körper des Babys bleibt stecken. Da Geburten meistens in den frühen Morgenstunden stattfinden, ist nicht garantiert, dass der Mensch bei dem Ereignis dabei ist. Was der Mensch dann in der Früh vorfindet: Ein totes Muttertier mit im Körper gestorbenen Babys, elendig gestorben, verursacht durch Menschenhand, die es nicht besser wusste.

  • das Weibchen ist zu dick/zu dünn:

Wenn das Weibchen das passende Alter hat (6-8 Monate), ist der nächste wichtige Punkt das Gewicht vor der Paarung. Ist das Tier zu leicht, steigt das Risiko, dass zu leichte Jungtiere geboren werden und/oder die Mutter nicht genügend Milch produziert, um alle ernähren zu können. Auch sie selbst wird während der Aufzucht das eigene Gewicht nicht halten können und abmagern. Wollen Sie alle 2 Stunden die Jungtiere füttern und das Muttertier mit Päppelbrei füttern, auch nachts? Über mehrere Wochen?

Ist das Tier zu dick, steigt die Gefahr einer Toxikose, einer Schwangerschaftsvergiftung. Das Böse an dieser Vergiftung ist, dass man sie erst bemerkt, wenn es meistens schon zu spät ist. Das Muttertier stellt das Fressen ein, wirkt schlapp, kann vermehrt speicheln, ist apathisch. Das Tier muss sofort einem Tierarzt vorgestellt werden! Die Überlebenschance liegt bei unter 20%.
Wie erkennt man nun, ob das Tier zu dick oder zu dünn ist? Es gibt kein Pauschalgewicht, an dem man sich orientieren kann. Ein Züchter kontrolliert, ob das Tier eine feste Figur hat, oder einen "Schwabbelbauch" hat.

  • der Umgang mit dem Kindsvater:

Wir nehmen an, es wird ein potenter Bock dazu gekauft, der das Weibchen decken soll. Eine Trächtigkeit des Weibchen können Laien erst in den letzten Wochen vor der Geburt feststellen, wenn die Babys strampeln und die Mutter immer mehr einer Birne oder (bei größeren Würfen) einer Bratpfanne ähnelt. Wie schon erwähnt, finden die meisten Geburten in den frühen Morgenstunden statt, ohne Beisein des Zweibeiners. Wenn der Mensch in der Früh dann die (hoffentlich gesunden) Babys erblickt, bietet sich ihm ein tolles "Familienbild". Mutter, Vater und Kinder vereint im Käfig. Was die wenigsten wissen, und was immer wieder für Überaschungen sorgt und nicht zuletzt für den verzweifelten Anruf beim Tierheim, weil die Vermehrung nicht mehr zu stoppen ist: zu diesem Zeitpunkt ist das Muttertier bereits erneut trächtig! Direkt nach der Geburt des letzten Babys ist das Weibchen wieder empfängnisbereit. Der Bock lässt sich dies natürlich nicht zweimal sagen und nutzt seine Chance. In 68 Tagen gibt es also die nächsten 1-7 Babys!
Wie kann man dem vorbeugen? Man gibt den Bock beim Tierarzt zur Kastration ab und hält ihn danach 6 Wochen lang alleine, getrennt vom Weibchen! Solange ist der liebe Mann nämlich weiterhin potent! 6 Wochen dauert es, bis keine Spermien mehr vorhanden sind, die das Weibchen wieder befruchten können.

  • der Nachwuchs besteht nur aus Böckchen:

Nun, wer hätte damit gerechnet? Da sitzen plötzlich morgens 6 junge kleine Böckchen unter der Mama. 6 Babys ist schon eine sehr große Anzahl, die Mama hier zu versorgen hat, sodass man sich darauf einstellen kann, dass man zufüttern muss. Garnicht so einfach, wenn man berufstätig ist, oder keine Erfahrung damit hat, die Kleinen per Spritze zu füttern. Verschlucken sie einen Tropfen Milch, kann das zu einer (in dem jungen Alter meist tödlich verlaufenden) Lungenentzündung führen. Der Gang zum Tierarzt zeigt dann bald, dass alle Babys Böcke sind. Nun, so hatte man sich das aber nicht vorgestellt. Man hat sich kleine Babymädels gewünscht! Gerät man an einen kompetenten Tierarzt, wird dieser erklären, dass Böcke mit 4 Wochen geschlechtsreif werden und von der Mutter getrennt werden müssen. Leider haben viele Tierärzte ein veraltetes Wissen aus Büchern und geben oft Auskunft, dass Böcke erst mit 3-4 Monaten decken können. Schwupps, plötzlich ist die Mama von einem Sohn tragend. Und der Kreislauf geht weiter....
Wir gehen also davon aus, dass der Tierarzt weiß, was er sagt. Das bedeutet, wenn man verantwortungsbewusst handelt, dass einem 6 Kastrationen ins Haus stehen. Eine Kastration kostet im Durchschnitt 50-80€ pro Tier. Somit ist man 4 Wochen nach dem Familienzuwachs plötzlich 300€ ärmer.
Nach wie vor hält sich das Gerücht, Böcke würden stinken. Stellen Sie sich also darauf ein, dass die jungen Männer schwer vermittelbar sein werden. Wer sich auskennt weiß aber, dass Böcke mind. 0,5m² Platz pro Tier benötigen. Wo nimmt man den vielen Platz plötzlich her? Was macht man mit der Mutter, die verzweifelt versucht, zu ihren Babys zu gelangen, die sicherheitshalber direkt neben Mama im Käfig stehen, damit sie sich weiterhin sehen und riechen können (was genauer betrachtet unnötiger Stress für die Tiere bedeutet und NICHT gemacht werden soll!)? Die Mutter ist also einsam allein, die Babys leiden, werden größer, weniger niedlich, die Kinder verlieren das Interesse, die Eltern sind genervt,.... irgendwann landen dann genau diese Tiere in einem Pappkarton und werden bestenfalls vor dem nächstgelegenen Tierheim ausgesetzt, oder man entledigt sich der Tiere an einer einsamen Stelle im Wald und überlässt sie ihrem Schicksal.

  • der Lethal Faktor:

Das ist der wohl wichtigste Punkt, den man beachten muss, und an dem schon 99% der geplanten Verpaarungen scheitern sollten! Was genau ist denn der Lethal Faktor?
Für Laien versuchen wir es einfach und kurz zu erklären: Es gibt bei Meerschweinchen die Zeichnungen "Dalmatiner" und "Schimmel", diese Zeichnungen kann jede Rasse betreffen. Entweder die Tiere sind "echte" Schimmel bzw. Dalmatiner, dann erkennt man sie relativ einfach (siehe unsere Seite Rassen und Farben), oder es sind VERDECKTE Schimmel bzw. Dalmatiner. Verdeckt heißt, man sieht den Tieren nicht an, dass sie eigentlich Schimmel bzw. Dalmatiner gezeichnet sind. Das Wichtige ist: JEDES Tier, das nur EIN WEISSES HAAR im Fell auweist, kann THEORETISCH ein verdeckter Schimmel bzw. Dalmatiner sein.
Und was genau haben diese beiden Zeichnungen nun so an sich? Ist ein Tier Schimmel bzw. Dalmatiner bzw. verdeckter Schimmel/Dalmatiner, trägt es den sogenannten Lethal Faktor in sich. Verpaart man nun dieses Tier mit einem zweiten Schimmel/Dalmatiner bzw. verdeckten Schimmel/Dalmatiner, dann VERDOPPELT sich der Lethal Faktor bei der Paarung. Die Nachkommen tragen also den DOPPELTEN Lethal Faktor. Was in der Praxis so aussieht: Am Tag der Geburt wirft die Mutter rein weiße, meistens blinde und taube Babies. Die meisten sogenannten "Lethal Whites" haben außerdem Kiefer-Missbildungen, keine oder nur wenige Zähne und innere Missbildungen. Viele von ihnen sterben innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt. Verantwortungsbewusste Menschen gehen dann zum Tierarzt und lassen die Kleinen erlösen. Es gibt wenige Ausnahmen, in denen Lethal Whites überleben, sie werden jedoch nicht recht alt und ihr Leben ist nicht schön. Eine BEWUSSTE VERPAARUNG von zwei Lethal-Faktor-tragenden Tieren ist im Übrigen strafbar!
Dem aufmerksamen Leser wird sich nun die Frage stellen: wie erkenne ich denn dann, ob mein Weibchen/mein Bock ein verdeckter Schimmel/Dalmatiner ist? Einfache Antwort: garnicht! Wie erkennen denn dann Züchter, was sie verpaaren dürfen? Durch den sogenannten Abstammungsnachweis. In diesem werden die Generationen so weit wie möglich zurück verfolgt und niedergeschrieben. So weiß der Züchter, ob sich in den hinteren Generationen Schimmel/Dalmatiner befunden haben, und somit, ob die geplante Verpaarung Sinn macht.
Das bedeutet für den Laien: keine Tiere ohne Abstammungsnachweise dürfen verpaart werden!!!

Lethal White Babys
Zusammengefasst bedeutet das: bitte erklären Sie den Kindern die Risiken einer gewollten Trächtigkeit und verzichten Sie zum Wohle der Tiere darauf!

Ungewollter Nachwuchs:

Leider passiert es viel zu oft, dass Liebhaber plötzlich bemerken, dass ihr gekauftes Weibchen trächtig ist. In den meisten Fällen kommen diese Tiere aus der Zoohandlung, wo es leider Gang und Gebe ist, keine Geschlechtertrennung zu haben, bzw. ist das Personal nicht darin geschult, das richtige Geschlecht zu erkennen. Sollte es doch eine Geschlechtertrennung geben (zum Glück denken ein paar Zoohandlungen mit), so wird das Weibchen auf dem Weg vom Vermehrer zur Tierhandlung gedeckt. Die Tiere werden nämlich in Kisten gestapelt auf Paletten befördert, wo es keine Person interessiert, welche Geschlechter da nun zusammen sitzen. Es ist ja nur Ware, die von X nach Y befördert wird.
Kauft man nicht in der Zoohandlung, weil man darüber Bescheid weiß, wie es dort zugeht, und das nicht unterstützen möchte, durchforstet man die Kleinanzeigen im Internet. Worte wie "Hobbyzucht" und "suchen dringend guten Platz" stechen einem ins Auge. Viele Ergebnisse sogenannter "Kinderzimmerzuchten" suchen dringend ein Zuhause, Fotos der Tiere im winzigen Käfig lassen einen Mitleid empfinden, man will die Tiere retten. Gesagt, getan. Nach wenigen Wochen stellt sich dann heraus, dass die als zwei Weibchen abgegebenen Tiere ein Pärchen sind und das Weibchen bereits tragend ist. Oder man rettet ein paar Tiere aus einem Unfallwurf, was ja gut gemeint ist, jedoch hatten die Verkäufer keine Ahnung davon, wie schnell sich Meeris verpaaren, und die Kleinen haben sich bereits untereinander gepaart.
Der "Hobbyzüchter" ist mit Vorsicht zu besuchen. Da der Begriff "Züchter" nicht geschützt ist, kann sich jeder so nennen, der ein Paar Tiere besitzt und sie paaren lässt. Das sagt jedoch nichts darüber aus, ob sich besagter Züchter auskennt und mit Sinn und Verstand arbeitet. Wie erkennt man einen seriösen Züchter und wie unterscheidet er sich vom Vermehrer?

seriös bedeutet:

-> der Züchter würde niemals ein Pärchen (unkastrierter Bock und Weibchen) an Liebhaber verkaufen, denn er möchte, dass seine Tiere in verantwortungsbewusste Hände kommen
-> er gibt keine Tiere ab, die noch zu klein/zu jung zur Abgabe sind. Ein Mindestgewicht von 250-300g müssen die Kleinen haben und mind. 4 Wochen alt sein
-> er gibt keine augenschenlich kranken Tiere ab (natürlich, hineinsehen kann niemand in die Tiere, hier sind zB Augeninfektionen, Milben, akuter Pilz, etc. gemeint)
-> die Tiere beim Züchter sind nach Geschlechtern getrennt (ausgenommen bewusst gesetzte Verpaarungen und Mütter, die ihren Nachwuchs großziehen)
-> der Züchter weiß über die richtige Ernährung und Haltung Bescheid und gibt gerne darüber Auskunft, denn je mehr Leute sich mit den Bedürfnissen der Tiere auskennen, desto mehr Haltungen können verbessert werden
-> der Züchter verlangt mehr als 10€ pro Tier, denn er möchte garantieren, dass seine Tiere nicht als Reptilienfutter enden
-> die Tiere sind reinrassig bzw. haben sinnvolle Trägereigenschaften, besitzen einen Abstammungsnachweis
-> der Züchter steht auch nach dem Kauf jederzeit für Fragen/Probleme zur Verfügung
-> wenn die Tiere aus welchem Grund auch immer nicht mehr behalten werden können, fungiert der Züchter als Hilfe bei der Suche nach einem neuen Zuhause oder nimmt die Tiere wieder zu sich zurück
Wenn alle Leute sich daran halten würden, und nicht auf der Suche nach dem erstbesten "Schnäppchen" wären, gäbe es weniger Tierleid.
Nun hat es sich aber so ergeben, das gerettete/gekaufte Tier stellt sich als trächtig heraus. Wie geht der Laie nun damit um? Welche Probleme können ihn erwarten und wie kann er sich am Besten darauf vorbereiten?

  •  einen guten Tierarzt zur Seite stehen haben

Es ist unerlässlich, sich einen kleintier-erfahrenen Tierarzt in der Umgebung zu suchen, den man, sollte es zu Komplikationen bei der Geburt kommen, 24/7 erreichen kann.
Der Tierarzt sollte angerufen werden wenn:

  • die Geburt länger als 1 Stunde dauert und keine Babys kommen
  • das Muttertier apathisch, schlapp ist und das Fressen verweigert und/oder vermehrt speichelt
  • das Weibchen Wehenschwäche hat

Im Notfall ist ein Kaiserschnitt notwendig (entscheidet der Tierarzt und wird nicht einfach so gemacht!), dieser kostet bis zu 300€ und die Überlebenschance der Mutter ist sehr gering.

  • Bock trennen

Falls man ein Pärchen gekauft hat (es gibt oft vermeintliche Weibchen die sich später als Bock herausstellen, weil das Personal in Zoohandlungen nicht geschult ist, und dem Vermehrer ist es egal, was Sie kaufen, Hauptsache er kommt zu Geld), muss der Bock schleunigst kastriert werden. Danach muss er noch 6 Wochen getrennt vom Weibchen gehalten werden, da er solange noch zeugungsfähig ist! Trennt man den Bock nicht, deckt er die Mutter sofort nach der Geburt wieder, und in 68 Tagen gibt es erneut Babies.

  •  Entwicklung Babys

Meerschweinchen Babys sind Nestflüchter. Sie werden bereits mit offenen Augen, entwickeltem Fell geboren, haben ihre Milchzähne bereits im Mutterleib gegen das bleibende Gebiss ausgetauscht und fressen ab dem ersten Tag alles mit, was auch Mama frisst.

  • darf ich die Babys anfassen/herausnehmen?

Immer wieder wird gefragt, ob man die neugeborenen Babys denn anfassen darf, verstößt die Mutter dann die Kleinen nicht? Nein, keine Sorge. Die Babys sollten am ersten Tag, wenn sie sich etwas erholt haben und trocken sind, herausgenommen werden, auf sichtbare Fehl/Missbildungen angesehen werden und gewogen werden. Geburtsgewichte zwischen 60-120g sind der Normalfall, je nach Alter der Mutter, der Wurgröße und der Versorgung während der Trächtigkeit. Gewichte unter 60g sind kritisch und müssen engmaschig beobachtet werden. Eine tägliche Gewichtskontrolle sollte stattfinden.

  • die Babys sind zu leicht/die Mutter stirbt bei der Geburt/Handaufzucht

Es kann aus vielen Gründen passieren, dass Sie plötzlich vor dem Problem stehen, die Babys alleine großziehen zu müssen, da das Muttertier verstorben ist. Der Laie wird idR kein weiteres Weibchen besitzen, das gerade Nachwuchs hat, also fällt eine Amme als Alternative meistens weg. Hat man einen Züchter in der Nähe, kann man den anrufen und fragen, ob er evtl. die Jungtiere aufnehmen kann, falls dieser gerade eine säugende Mutter hat. Auch Notstationen helfen gerne. Hat man keine dieser Alternativen, muss man zur Handaufzucht bereit sein. Das bedeutet, die Babys alle 2 Stunden, auch nachts (!) zu füttern. Man besorgt sich 1ml Spritzen in der Apotheke oder beim Tierarzt (ohne Nadel!) und aus der Tierhandlung KatzenAUFZUCHTmilch (wenn möglich ohne Taurin). Das ist ein Milchpulver, das mit warmen Wasser angerührt wird. Haben die Kleinen einen entwickelten Saugreflex, lernen sie binnen weniger Minuten, wie sie die Milch aus der Spritze schlucken sollen. Es ist allerhöchste Vorsicht geboten, die Babys dürfen sich nicht an der Milch verschlucken. Dies kann besonders in den ersten 2 Lebenswochen schnell zu einer Lungenentzündung führen, die sie meist nicht überleben. Achten Sie darauf, dass die Kleinen es warm haben (Snuggle Safe, Wärmflasche in Handtuch gewickelt), aber nicht austrocknen (bitte keine Rotlichtlampe, das trocknet die Kleinen sehr schnell aus). Der Vater ist ein guter Ersatz, da er den Kleinen auch zeigt, was sie alles an Frischfutter essen können. Die Kleinen fressen bereits ab dem Tag der Geburt alles an Frischfutter mit, was die Mama/der Papa auch frisst. Trotzdem müssen sie 4 Wochen lang gesäugt werden. Nur so entwickelt sich eine gesunde Darmflora. Unterstützend können Darmprobiotika wirken, wie zB Bene Bac (vom Tierarzt) oder frische, zerdrückte Köttel von erwachsenen Tieren, die man in die Milch mischt. Klingt eklig, wirkt aber Wunder! Fakt ist: je länger die Kleinen die Mutter haben, desto größer sind ihre Überlebenschancen.

Sollte man ein Leichtgewicht im Wurf haben, das nicht zunimmt, kann es helfen, die Mutter mit dem Kleinen mehrmals tgl für ein paar Minuten zu separieren, damit der auch "Schwächling" die Chance bekommt, die Muttermilch zu trinken. Ist das nicht ausreichend, kann man mehrmals tgl zufüttern, mit oben genannter Milch aus der Spritze.

  • was füttere ich während der Säugezeit?

das Gleiche wie zuvor. Frischfutter und Heu! Fenchel und Dille haben sich als milchfördernd herausgestellt, Fenchel schmeckt außerdem den Babys sehr und macht dick, beugt Blähungen vor und ist gut für die Verdauung. Haferflocken über das Futter gestreut, sind auch nette Dickmacher.

  • Geschlechterbestimmung

Es ist dringend anzuraten, die Geschlechter in den ersten 3 Lebenswochen bestimmen zu lassen. Wenn man sich selbst unsicher ist, fährt man zu einem kleintier-erfahrenen Tierarzt oder bittet einen Züchter in der Umgebung darum, oder eine Notstation. Sollte ein Tierarzt behaupten, man könne die Geschlechter so früh nicht bestimmen, ist dies leider ein Zeichen dafür, dass er sich nicht mit Meerschweinchen auskennt. Erfahrene Züchter erkennen das Geschlecht bereits direkt bei der Geburt. Je früher man die Geschlechter weiß, umso eher kann man einen Tierarzt suchen, der Frühkastrationen bei Böckchen durchführt.

  • wann trenne ich die Babys von der Mutter?

Ein heikles Thema, zu dem es viele Meinungen gibt. Fakt ist, dass kleine Böcke mit ca. 4-6 Wochen geschlechtsreif werden. Wir empfehlen, die Böcke mit 4 Wochen von der Mama und den Schwestern zu trennen und zum (wenn vorhanden) Vater zu setzen. Denn der junge Mann braucht weiterhin Erziehung! Hat man einen Tierarzt, der Frühkastrationen anbietet (Kastration kurz vor der Geschlechtsreife, wenn die Hoden noch nicht ganz abgestiegen sind), so ist keine Trennung erforderlich. Der Bock wird dann mit 3-4 Wochen kastriert, kann sofort nach der OP wieder zur Mutter zurück bis er vermittelt wird. Hat man keinen Bock, der der vermeintliche Vater ist, so kann überlegt werden, den kleinen Frühkastraten zu behalten, wenn das Platzangebot da ist. Auf jeden Fall sollte man Böckchen aus dem Wurf kastrieren lassen und erst dann vermitteln, um ein weiteres Decken zu verhindern. Hier sind Züchter oder Nostationen auch gerne bei der Vermittlung behilflich oder beraten Sie, welche Gruppenkonstellationen machbar sind, wenn Sie den kompletten Nachwuchs behalten wollen.